INTERNATIONALISIERUNG IN DER DAF-LEHRE: CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN AM BEISPIEL VON DEUTSCH FÜR EUROPASTUDIEN AN DER UNIVERSITÄT AMSTERDAM | Кафедра іноземних мов природничих факультетів одеського національного університету імені І.І. Мечникова

Сьогодні Понеділок, 20 Січня 2020 року

Іноземних мов
природничих факультетів
INTERNATIONALISIERUNG IN DER DAF-LEHRE: CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN AM BEISPIEL VON DEUTSCH FÜR EUROPASTUDIEN AN DER UNIVERSITÄT AMSTERDAM
Опубліковано: 17 Лют 2019 / Немає коментарів / 140 переглядів

Henning Radke und Verena Wagner

Duitsland Instituut Amsterdam und Universiteit van Amsterdam, Niederlande

Seit 1983 bietet die Universität Amsterdam den Studiengang Europastudien (ndl.: Europese Studies) an. Teil des dreijährigen Curriculums ist u.a. ein Fremdsprachenpaket, in dem die Studierenden zwei Semester lang eine von 17 angebotenen Fremdsprachen, darunter Deutsch, im Umfang von 24 ECTS erwerben. 2015 wurde dem einsprachig niederländischen Curriculum ein englischsprachiger Track hinzugefügt, wodurch zwei parallele BA-Studiengänge entstanden: Europese Studies (http://www.uva.nl/programmas/bachelors/europese-studies/studieprogramma/studieprogramma.html) und European Studies (http://www.uva.nl/shared-content/programmas/en/bachelors/european-studies/study-programme/study-programme.html). Die Zusammensetzung der Sprachkurse änderte sich daraufhin schlagartig: Hatten zuvor ca. 25 niederländische Studierende an den Deutschkursen teilgenommen, erhöhte sich die Zahl im Jahr 2016 auf ca. 50 und später auf bis zu 70 Studierende, die z.T. weder über Kenntnisse des Deutschen noch des Niederländischen verfügten und einen diversen Sprachhintergrund mitbrachten. Durch diesen Zuwachs entstanden aus einem Sprachkurs drei neue Kurse unterschiedlicher Niveaus. Zur Einstufung dient seither der onSET-Test (https://www.onset.de/), ein digitaler C-Test, der mithilfe von Lückentexten innerhalb von 40 Minuten eine Einschätzung der Deutschkenntnisse gemäß des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (A1-C2) zulässt. Für eine möglichst genaue Einstufung kombinieren wir das Ergebnis des onSET-Tests mit einer Selbsteinschätzung der Studierenden und ihrer Angabe über die Dauer und Art des zuvor genossenen Deutschunterrichtes. Dennoch ist es wichtig darauf zu achten, dass sich Studierende nicht bewusst unter ihrem Niveau einschreiben, um so einen Vorteil zu bekommen. Der Großteil der niederländischen Studierenden bringt durch die relativ starke Präsenz des Faches Deutsch an niederländischen Schulen bereits Vorkenntnisse mit und wird somit in die beiden höheren Kurse eingestuft. Der überwiegende Teil der internationalen Studierenden beginnt meist im Anfängerkurs und formt im DaF-Bereich der Universität Amsterdam somit eine komplett neue Lehr- und Lernumgebung, die vor allem durch sprachliche Diversifizierung gekennzeichnet ist (siehe Annex).

Nachfolgend werden die Chancen und Herausforderungen des internationalen DaF-Kurses beleuchtet

 

Darin nimmt Deutsch als Metasprache eine starke Rolle ein, während Englisch und Niederländisch nur im Ausnahmefall als ergänzende Hilfsmittel verwendet werden. Auf diese Weise erhalten Muttersprachler (L1-Sprecher) keine Vorteile und andere Teilnehmende vermeiden den ‚Umweg‘ über eine zweite Fremdsprache. Einsprachige Lehrwerke unterstützen dabei den Gebrauch der Zielsprache Deutsch als Unterrichtssprache. Die sprachstrukturellen Ähnlichkeiten zwischen Deutsch und Niederländisch können in Prüfungen zu einem Vorteil für niederländischsprachige Studierende führen, weshalb es sich z.B. bei Wortschatztests empfiehlt, genügend Begriffe auszuwählen, die sich in beiden Sprachen unterscheiden. So wird dem Gesetz des bremsenden Vorsprungs entgegengewirkt, nach dem ndl. Studierende z.T. häufiger kleinere Fehler machen, da sie schneller verstehen und weniger genau sein müssen. [1]

Die jeweiligen Muttersprachen der Studierenden werden an geeigneten Stellen im Sinne der Plurilingual and intercultural education zum Vergleich herangezogen, ohne dass diese Sprachen der Lehrperson per se bekannt sein müssen. Das Konzept sieht Mehrsprachigkeit nicht nur als Ziel, sondern auch als Mittel des (Sprach-) Unterrichts vor. Bei der Vermittlung des Diminutivs z.B., den es im Englischen nicht gibt, wohl aber in anderen Sprachen wie dem Niederländischen, können die Studierenden zum Reflektieren angeregt werden, ob und in welcher Form das Phänomen in der Muttersprache vorkommt, und somit ein tieferes Verständnis für etwaige Fehlerquellen entwickeln. Außerdem werden sie für L1-bedingte Schwierigkeiten beim Erlernen von Deutsch sensibilisiert, was wiederum mehr Nachsicht für individuelle Lernprogressionen innerhalb der Gruppe bedeutet.

Die Heterogenität des Kurses ist auch in der Landeskunde erkennbar, die durch die Internationalisierung nicht nur Raum für einen zweidimensionalen Kulturaustausch zwischen den Niederlanden und den D-A-CH-Ländern bietet, sondern es den Studierenden auch ermöglicht, als Experten ihrer eigenen Herkunftsländer in einen mehrdimensionalen Austausch über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu treten und so länderübergreifende und -spezifische Deutschlandbilder zu erkennen.

Ausblick

Das Beispiel Amsterdam ist kein Ausnahmefall: Durch die weltweit zunehmende Globalisierung wird der Fremdsprachunterricht der Zukunft wahrscheinlich öfter denn je im international classroom stattfinden. Mehr internationale Studierende werden DaF somit in einem nicht-deutschsprachigen Drittland lernen, wie das Fallbeispiel aus den Niederlanden zeigt. Daher ist es umso wichtiger, Möglichkeiten für einen Deutschlandaufenthalt zu schaffen, z.B. durch DAAD-Stipendien für Sommersprachkurse oder weiterführende Studien an deutschen Hochschulen (www.daad.de/stipendiendatenbank).

Annex Verteilung der L1-Sprachen im Anfängerkurs (2016-2019)

ANNEX: VERTEILUNG DER L1-SPRACHEN IM ANFÄNGERKURS* (2016-2019)

Zudem erfordert die heterogene Zusammensetzung der Kurse hinsichtlich Muttersprachen, Herkunftsländer und Lerngewohnheiten einen Unterricht mit flexibler Didaktik und geschultem Lehrpersonal, das ggf. auch interkulturelle Konfliktsituationen erkennt und Lösungen anbietet (vlg. Hettinger 2012, 98). Lernerzentriertheit, Förderung der Lernerautonomie und Binnendifferenzierung unterstützen einen möglichst effektiven und individuellen Lernprozess. Lehrmethoden, die oft westlichen Modellen folgen, sollten explizit dargelegt werden, um so für alle Teilnehmenden transparent zu sein (ebd., 99). Durch die unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Voraussetzungen haben die Studierenden zudem verschiedene Stärken, aber auch Schwächen, von deren Bewusstmachung sie gegenseitig profitieren können. Der Lehrperson kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, indem sie den Unterricht darauf auslegt, „Offenheit, Flexibilität und Neugierde“ (vgl. Hettinger 2012, 98) zu fördern, um so das plurilinguale Potential des international classrooms nutzbar zu machen.

Literaturverzeichnis

Hettinger, Andreas. 2012. „Interkulturelle Kompetenz in nicht-sprachlichen Studiengängen: Fachliche und strategische Überlegungen“. In Themenschwerpunkt: Fremdsprachen in nichtsprachlichen Studiengängen, herausgegeben von Claus Gnutzmann, Frank G. Königs, und Lutz Küster, 97–106. Tübingen: Narr.

1 Vielen Dank an unsere Kollegin Dr. Elisabeth Meyer für diese und andere Hinweise.

*Nach erfolgter Einstufung der Deutschkenntnisse zu Beginn des jeweiligen Semesters.

Download article



Залишити коментар

*

code